Morgenlandfahrt
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Juni 2nd, 2009

Vor gut einer Woche habe ich von meinem Privileg Gebrauch gemacht und habe meine Briefwahlunterlagen für die Europawahl ausgefüllt. Die derzeit auch im Bundestag vertretenen Parteien gingen dabei leer aus. Sie machen alle zusammen eine Politik für Interessenverbände und nicht mehr für die Menschen. Als Verhaltensmuster erlebt man »Aktion und Gegenreaktion« und die jeweiligen Inhalte werden nur noch auf die eigene Klientel abgestimmt. Mir bereiten diese menschenverachtenden Handlungsmuster schon seit Langem körperliches Unwohlsein und deshalb habe ich mich entschlossen, meine Stimme nicht zu verschenken, sondern sie den Piraten zu geben. Über das Programm und die Ansichten der Piratenpartei kann man sich ja hier wunderbar einfach informieren.

Motive. Beweggründe. Aussichten

Ich werde ab und an gefragt ob es nicht unsinnig ist, seine Stimme an eine kleine Partei zu verschenken. Nach meinem Empfinden würde ich meine Stimme aber eher verschenken, wenn ich sie den arrivierten Parteien geben würde, denn diese sind ja schon in den Parlamenten und ich kann jeden Tag neu sehen, dass sie eben nicht Politik machen um Probleme zu lösen. Ich will, dass wir uns wieder auf unsere Stärken besinnen, ich will, dass wir uns zueinander bekennen und dazu gehört unter anderem, dass wir uns wieder als Menschen sehen und nicht als Produktionsfaktor oder als Teil einer Statistik. Ich will zudem, dass Menschen in Notsituationen geholfen wird und ich will dabei keine endlosen Diskussionen über allzu oft unanständig niedrige Aufstockungen im Sozialsektor und andererseits ein unreflektiertes Durchwinken von Subventionsmilliarden (seien sie auch noch so sinnlos ausgegeben).

Versteht mich nicht falsch: Ich will Euch gar nicht unbedingt dazu aufrufen, die Piraten zu wählen (auch wenn diese Gruppierung aus meiner Sicht sehr gute Ziele formuliert hat). Ich will nur, dass Ihr Euch genau anschaut, für was die jeweiligen Parteien stehen und bewußt Euer Kreuzchen macht. Und überhaupt: Geht wählen!

April 6th, 2009

In der letzten Woche war ich ja in Berlin. Und an jedem Morgen lief ich — auf dem Weg zur re:publica ‘09 — mit Blick auf das Dach der neuen Synagoge. Es ist schön und es ist richtig und wichtig, dass sie wieder aufgebaut wurde. Das Verschwinden der Synagoge durfte nicht länger hingenommen werden. Man kann Unrecht nicht wieder gut machen, indem man Gebäude aufbaut. Man kann aber dennoch Zeichen setzen gegen das Vergessen und auch Zeichen, die ein Signal sind in die Zukunft.

März 18th, 2009

Verabredung zum Brunch. In der Nacht war die Zeitumstellung auf Sommerzeit. Man hat uns mutwillig Zeit gestohlen, hat uns Schlaf geraubt, hat uns Ruhe genommen, den Sonntag unnötig früh beginnen lassen und dann auch noch dieses: Wir sind mit Freunden verabredet, wollen Brunchen. Andererseits meldet sich eine innere Stimme, spricht von Vorfreude auf ein Wiedersehen mit lieben Menschen. Ich bin neugierig, nicht zuletzt auch auf das für uns noch neue Kaffeehaus 3klang. Wir schälen uns aus dem Bett, machen uns fertig für die Welt da draußen, wollen auch noch einen der Freunde vom Bahnhof abholen, denn schließlich gilt stets: Versprochen ist versprochen. Er kommt extra von außerhalb. Für ihn ist der Weg noch länger. Er kommt mit der Bahn, extra für uns, extra, damit man sich endlich mal wieder sieht. Das letzte Treffen ist genau ein Jahr her. Mein Gott, die Zeit rennt.

Es ist beinahe 11 Uhr. Endlich haben wir einen Parkplatz gefunden, stoßen die Tür zum 3klang auf und treten ein. Alle Tische sind schon gut besetzt und ich bin froh, dass wir einen Tisch vorbestellt haben. Naja, Brunch ohne Vorbestellen: das geht gar nicht, oder? Wir laufen über einen schönen alten Dielenboden. Der Raum ist sehr hoch, eben ein Altbau und alleine schon deshalb wirklich schön. Das Kaffeehaus liegt direkt am Riegerplatz in Darmstadt. Über die gesamte Außenfront des 3klang laufen vier raumhohe große Fenster, die oben in Rundbögen münden und viel Tageslicht in die Räumlichkeiten herein lassen. Die Wände sind weiß gekälkt und ergeben, zusammen mit dem dunklen Boden und der eher rustikal modernen Einrichtung, einen modernen und doch warmen Gesamteindruck. Ein Ort zum Wohlfühlen.

Sonntags ist Brunchtag. Man hat uns schon vorgewarnt und gemeint, dass man viel Hunger mitbringen soll. Ich dachte noch, dass mir das ja normalerweise nicht soooo schwer fällt. Als ich jetzt aber das Buffet sehe, weiß ich, was dieser wohlwollend erteilte Rat meinte: Wir sehen ein wirklich tolles Buffet. Es finden sich verschiedene Brotsorten, wir sehen Körnerbrote, Weißbrote, sehen Rühreier, gebratenen Speck, sehen vielerlei Weich- und Hartkäsesorten, sehen Wurst, Salami, sehen Salat, sehen Croissants und Bagels, sehen French Toast, sehen Mohnstangen, ordinäre aber wunderbar frische Brötchen, sehen Marmeladen, Nutella, eine hausgemachte Kartoffelsuppe, Fisch und und und. Ich könnte mit meiner Beschreibung wohl noch lange fortfahren. Anfangs hatte ich mich gefragt, wohin die Betreiber des Kaffeehauses die ganzen Sachen denn wohl hinsortieren. Man kann verkürzt sagen: Sie schaffen es. Das Buffet kostet pauschal 8,50€. Da kann man wirklich nicht meckern, wie ich finde. Angereichert wird dieses wahre Schlaraffenland der kulinarischen Genüsse von unterschiedlichsten Säften der Firma Rapps und allen möglichen Kaffeegenüssen. Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr weiß, ob es auch Tees hat. Eigentlich zweifele ich daran aber nicht wirklich. Zu diesen wirklich sehr vielfältigen kulinarischen Genüssen gesellt sich ein sehr prompter und freundlicher Service und ein angenehm unterschiedliches Publikum. Hier treffen sich Studenten und Professoren, man sieht manch alten Sponti und sieht am Tisch daneben friedlich ein bürgerlich ausschauendes Ehepaar mit ihren Kindern und Enkeln. Überhaupt fällt auf, dass sich hier sowohl alle Altersschichten als auch viele gesellschaftliche Schichten friedlich vereint an ihren Tischen finden. Kinder sind hier übrigens ebenfalls wirklich willkommen. Das macht das Gesamterlebnis 3klang zu einem extrem positiven polyphonen Gesamterlebnis. Ich bleibe im tonalen Bild und bilanziere: Tolle KlangWelten, bester Sound :-) ..

3klang, bar restaurant café. Riegerplatz 3, Darmstadt. Tel.: 06151-669 8843

(Dieser Text stammt aus meinem »Blogarchiv«. Er wurde am 25. 3. 2007 erstveröffentlicht.)

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